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Geschichte

 

Überblick

Die Steinzeitjäger (10000 – 20000 v.Chr.) haben zwar im Stammertal keine Spuren hinterlassen. Wir dürfen aber annehmen, dass sie mindestens die Gegend durchstreift haben. Funde von Waffen, Feuerstellen und Grabstätten deuten daraufhin, dass unsere Gegend vor ca. 4000 Jahren bewohnt oder für Nomaden Jagdgebiet war.
1975 wurden bei Ausgrabungen auf der «Burg», einem Bergvorsprung zwischen Ober- und Unterstammheim, frühkeltische Spuren gefunden, welche eine Wohngrube, keltische Keramik und eine Feuerstelle ans Tageslicht brachten. Bis ins hohe Mittelalter benützten Talbewohner die «Burg» vermutlich als Zufluchtsort, und sicher stand auch einst eine Burg an dieser Stelle. Die Ausgrabungen gaben darüber allerdings weniger Aufschluss als erwartet.
Mit der Alemanneneinwanderung in unser Gebiet begann im 4. Jahrhundert der Rückzug der Römer, welche neben Flurnamen («Römerweg») und Münzen keine Spuren hinter-liessen. Alemannischen Ursprungs sind die Dorfnamen Guntalingen («Hof des Gunther») und Waltalingen («bei Waltino»). «Stammheim» soll fränkischen Ursprunges sein. Alemannengräber fand man vor allem bei den Oberstufenschulhäusern und im Unterdorf Unterstammheim.
Erwähnt wird «Stammhaim» zum erstenmal in einer Urkunde des Klosters St. Gallen aus dem Jahre 761. Damals schenkte ein bekehrter Alemanne namens Isanhard seine Güter dem Kloster. Schon früh hatten auch grösste weltliche Herren hierorts Eigenland. So konnte einer der letzten Karolingerkönige, Karl III. (ab 881 Kaiser) dem Kloster St. Gallen im Jahr 879 aus seinem Krongut zu Oberstammheim einen grossen Hof schenken. Das gab Abt Hartmuot dann die Möglichkeit, seinen hiesigen Bauern endlich auf dem Molassesporn ob dem Dorf Oberstammheim ein Kirchlein zu bauen, das dem heiligen Gallus geweiht wurde (Galluskapelle = Titelbild der Homepage).
1464, dreissig Jahre nach Waltalingen und Guntalingen, kam Stammheim durch Kauf an die Stadt Zürich. Ein Obervogt auf Steinegg wachte fortan über die niedere Gerichts-barkeit, den Einzug der Steuern und die Einberufung von Soldaten.
Als Zwingli in Zürich die Reformation einführte, schlossen sich die Stammheimer der neuen Lehre an. Zu jener Zeit lag aber die hohe Gerichtsbarkeit noch beim Landvogt der Gemeinen Herrschaft Thurgau in Frauenfeld. Dieser verfolgte die Ausbreitung des neuen Glaubens mit Bitterkeit und liess schliesslich den reformierten Pfarrer von Burg bei Stein gefangen nach Frauenfeld führen. Nach einer ergebnislosen Verfolgung der Häscher durch Steiner, Stammheimer und weitere Zuzüger wurde die Karthause Ittingen gebrandschatzt. Die an dem Verbrechen nicht beteiligten Untervögte von Stammheim und Nussbaumen, Hans Wirth und Burkhart Rütimann, und der Stammheimer Pfarrer Johannes Wirth wurden von Zürich den katholischen Orten ausgeliefert, welche die drei am 28. September 1524 enthaupten liessen. Dieses Ereignis hätte beinahe zu einem eidgenössischen Bruderkrieg geführt.
Das 17. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch die Nöte des Dreissigjährigen Krieges, durch Hunger und Pest. 1611 starb fast die Hälfte, 1629 und 1635 je ein Viertel der Bevölkerung an dieser mörderischen Seuche.
1652 trennten sich Ober- und Unterstammheim. Waltalingen und Guntalingen, die immer zur Vogtei Andelfingen gehört hatten, wurden nach der Franzosenzeit zu einer politischen Gemeinde vereinigt.
Im 18. Jahrhundert erliessen die «Gnädigen Herren» strenge Sittenmandate, vor allem gegen Betteln, Alkoholismus und ausschweifenden Lebenswandel. Durch ein strenges Regiment konnte die Stadt Zürich ihre Herrschaft über die Landbevölkerung bis nach dem Ausbruch der französischen Revolution aufrechterhalten. Der Untergang der alten Staatsordnung wurde 1798 in Stammheim mit der Errichtung eines Freiheitsbaumes, mit der Pflanzung einer Revolutionslinde in Oberstammheim und mit einem ausgiebigen Trunk gefeiert. Während den nächsten zwei Jahren wurden die Dörfer des Stammertals dann allerdings wie andere Gegenden des Weinlandes wiederholt von Franzosen, Öster-reichern und Russen geplündert. So hatten unter den Requisitionen und Einquartierungen «Aristokraten» und «Franzosenfreunde» in gleicher Weise zu leiden.
1803 wurde der kaum geschaffene Distrikt Benken aufgelöst. Neunforn und die Gemeinden des Bezirkes Diessenhofen wurden Thurgau zugeschlagen, während die Ge-meinden des Stammertals endgültig an den Kanton Zürich kamen. Und in beiden Gebieten hätte ein erheblicher Teil der Bevölkerung genau die umgekehrte Lösung ge-wünscht. Erst 1808 löste der Kanton Zürich die über 1000 Jahre alte Zehntenverpflichtung an das aufgehobene Kloster ab, indem er dem Kanton St. Gallen 200000 Gulden bezahlte. Diese Summe mussten aber die ehemaligen Untertanen aus dem Stammertal während Jahrzehnten an die Zürcher Staatskasse abstottern. Die liberale Erneuerung führte 1831 zur Annahme einer neuen Kantonsverfassung. Alljährlich erinnert die Generalversammlung der Lesegesellschaft Stammheim, die «Novemberfeier», an den Ustertag von 1830, der zur Gleichberechtigung der Zürcher Landschaft mit der Hauptstadt führte. Die Lesegesellschaft, gegründet 1842, brachte im Stammertal einiges von bleibendem Wert zustande: schon 1843 eine Bibliothek; 1863 die Leihkasse Stammheim, die sich auch in der modernen Finanzwelt als gesundes Unternehmen behauptet; 1867 eine Fortbildungsschule in Stammheim und in Guntalingen; 1867 bzw. 1885 Landwirtschaftliche Vereine in Stammheim und in Guntalingen.
Hochfliegenden Eisenbahnprojekten in unserer Gegend war jedoch weniger Glück be-schieden. Demokratische Politiker, auch aus dem Stammertal, waren erfüllt von Optimismus und vom Glauben an den Erfolg einer Konkurrenzbahn zu den Linien, welche der Liberale Alfred Escher, der «Eisenbahnkönig», von Zürich aus bauen liess. Ober- und Unterstammheim engagierten sich mit je 180000 Franken, für die damalige Zeit und unsere kleinen Gemeinden Riesensummen, für den Bau der Schweizerischen Natio-nalbahn von Singen nach Winterthur mit einer geplanten Fortsetzung in die Westschweiz. Dieses eisenbahnpolitische Abenteuer endete für alle Geldgeber, vor allem auch für unsere Gemeinden, 1879 mit Riesenverlusten, als die Nationalbahn zusammenkrachte. Zwar gelang es, die Schulden abzubezahlen. 100 Jahre lang aber mussten z.B. die Teilnehmer (von 1971 – 1979 auch noch die Teilnehmerinnen) an der Berchtelis-tagsgemeinde in Unterstammheim auf den traditionellen Bürgertrunk verzichten und die Oberstammer auf den Bürgernutzen aus dem Gemeindewald. Die Jahre der Hoch-konjunktur nach dem Zweiten Weltkrieg trugen bei zur Agglomerationsbildung rund um Winterthur und Zürich und zur allgemeinen Zunahme der Mobilität im Privatverkehr. Damit setzte auch in unseren abseits gelegenen ehemaligen Bauerndörfern die sogenannte moderne Entwicklung ein, nicht überbordend zwar, aber doch unübersehbar. Heute stehen Behörden und Bevölkerung vor der nicht einfachen Aufgabe, mit der Zeit zu gehen, zugleich aber die Schönheit unserer Dörfer und manche wertvolle Überlieferung zu bewahren. Und auch in Zukunft wird sich mancher Betrachter einer Zürcherkarte über den eigentümlichen Zipfel im Nordosten wundern und sich vielleicht fragen, wie denn der eigentlich zum Kanton Zürich gekommen sei.

Oberstammheimer Wappen

Das Wappen zeigt in Gold pfahlweise einen roten Stamm mit drei Aststummeln. Im gespaltenen Schild der Obervogtei Stammheim, der seit 1529 nachweisbar ist, war Oberstammheim durch einen halben grünen Zweig mit drei grünen Blättern auf silbernem Grund vertreten. Eine Gemeindescheibe aus dem Jahre 1620 zeigte eine ähnliche Dar-stellung. Das Wappen mit dem oben und unten abgesägten Baumstamm und den drei Aststummeln ist seit 1687 bezeugt: Auf dem ältesten Beleg, einer Wappenkartusche eines Ofens, steht der beidseitig abgehauene goldene Stamm noch auf einem grünen Dreiberg. In späteren Wappen, besonders auf den Brunnen beim «Hirschen» (1763), bei der «Linde» (1766), bei der Schmiede (1824) und bei der Post (1828), wurde der Dreiberg weggelassen. An der Feuerspritze von 1838 und auf der Wetterfahne des Lindenbrunnens ist der Stamm in den Zürcher Schild gesetzt. Die Kommission wollte wie bei Unterstammheim auf die Darstellung in den ältesten Obervogteiwappen zurückgreifen. Am 9. April 1932 entschied sich aber der Gemeinderat für das jüngere Wappen.

Wilen, ein Dorf genau auf der Kantonsgrenze

Südlich von Oberstammheim, oberhalb des Hardwaldes, liegt das Dörfchen Wilen mit etwa 130 Einwohnern. Die Kantonsgrenze zerschneidet es entlang der Dorfstrasse in einen zürcherischen und einen thurgauischen Teil. Früher besass Wilen nur eine einzige Ortsbehörde und führte einen gemeinsamen Gemeindehaushalt. Alljährlich wechselten ein Zürcher und ein Thurgauer ab im Amt des Gemeindepräsidenten. Die Gemeinde-versammlungen fanden im «Glögglihuus» statt, einem Bauernhaus mit Dachreiter, Glocke und Uhr. Auf dem Gebäude lastete das Servitut, dass die Stube jederzeit für eine Gemeindeversammlung geräumt werden müsse.

1886 wurde das Gemeindegut getrennt. Zürcherisch Wilen wurde zur Politischen Gemeinde Oberstammheim geschlagen. Es gehört auch zur Oberstufenschulgemeinde Stammheim und stellt ein Mitglied in der Oberstufenschulpflege. Thurgauisch Wilen gehört zur Politischen Gemeinde Neunforn. Beide Dorfteile von Wilen sind der Kirchgemeinde Neunforn zugeteilt. Die Stimmberechtigten von zürcherisch Wilen nehmen also an den Gemeindeversammlungen in Oberstammheim teil, sie verlassen aber vor Beginn der Primarschulgemeinde den Saal, denn sie gehören zur Primarschulgemeinde Neunforn.

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