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Galluskapelle


Galluskapelle


Beschreibung
Auf einem Rundgang durch die Dörfer sollte man einen Besuch der Galluskapelle, des ältesten Gotteshauses im Tal, nicht versäumen. Über den Ursprung des schlichten Baues, bestehen keine schriftlichen Zeugnisse; doch deuten die kleinen, hochliegenden Rundbogenfenster auf einen romanischen Kernbau, der Ende des 15. Jahrhunderts durch das Heraus-brechen der gotischen Fenster und wiederum 200 Jahre später durch den Anbau des Chors und der westlichen Vorhalle stark verändert und vergrössert wurde. Die in der Reformationszeit übertünchten gotischen Fresken an der Südwand wurden 1896 entdeckt.

Seit der umfassenden Restaurierung in den Jahren 1964 bis 1968 bildet die Galluskapelle ein kunstgeschichtliches Schmuckstück, das zu Recht unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt wurde. Gewöhnlich steht die Türe dem Besucher offen, andernfalls ist der Schlüssel im benachbarten Mesmerhaus auf dem Buck erhältlich.
Die Galluskapelle wurde während ihrer langen Geschichte immer wieder umgebaut, der Stilentwicklung und den neuen Verhältnissen im Gottesdienst angepasst. Jede Veränderung hat ihre Spuren hinter-lassen. Welche Epoche bei einer Restaurierung hervorzuheben ist, darüber werden die Fachleute wohl nie einer Meinung sein. Im rechteckigen Innenraum mit seinem rostroten Fliesenboden, den weissgekalkten Wänden und der durch eine einzige Mittelsäule gestützten Riemendecke werden vergangene Jahrhunderte wieder lebendig. Bau und Ausstattung, die kleine Empore an der Rückwand, die sechseckige Kanzel aus dem 19. Jahrhundert und die verbliebenen Chorstühle bilden eine harmonische Einheit. Ihren Ruf als hochgotisches Kleinod verdankt die Galluskapelle indessen dem dreifachen Zyklus von Wandbildern aus dem Anfang des 14. Jahrhundert. Unter Einbezug der ursprünglichen Architektur schildert ein unbekannter Künstler in der obersten Bildfolge die sechs Tagewerke Gottvaters, bei der Erschaffung der Welt, den Sündenfall und die Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies. Die mittlere Reihe gibt Ausschnitte aus dem Leben Jesu wieder, während die unterste der Passionsgeschichte gewidmet ist, ursprünglich wohl beginnend mit dem Einzug Jesu in Jerusalem und hinführend zur Kreuzigungsszene, zur Grablegung und zur Auferstehung. Von mangelndem Verständnis gegenüber den künstlerischen Leistungen früherer Generationen zeugen die beiden grossen gotischen Fenster, denen ein Teil der ausdrucksvollen Bibelszenen zum Opfer gefallen sind.
Während die Bilder an der südlichen Längswand in ihrer flächigen Art, im Faltenwurf der Kleider und im stilisierten Ausdruck der Gesicher an die Illustration der Manessischen Liederhandschrift erinnern, gehören die beiden Heiligendarstellungen an der Nordwand bereits der Renaissance an. Sie wurden erst anlässlich der letzten Restaurierung entdeckt und freigelegt. Der mit dem Drachen kämpfende Ritter Georg ist freilich nur noch in Teilstücken zu erkennen. Besser erhalten ist hingegen die Darstellung einer Legende aus dem Leben des heiligen Eligius, Schutzpatron der Säumer, Fuhrleute und Hufschmiede. In seiner bereits mit perspektivischer Tiefenwirkung dargestellten Werkstatt beschlägt Eligius den abgetrennten Fuss eines Pferdes und setzt ihn dem Tier nachher wieder an. Das Bild wird wohl daran erinnern, dass die Galluskapelle von Mönchen des Klosters St. Gallen unweit der Stelle errichtet wurde, an der sich die Wege von Zürich nach Stein und von Frauenfeld nach Diessenhofen kreuzten.
Das romanische Fenster im Chor wurde bei der letzten Restaurierung entdeckt. Der Winterthurer Maler Hans Affeltranger hat in moderner Form den dreiteiligen Freskenzyklus der Südwand zusammengefasst: oben die Schöpfung mit der Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes, unten den Erdball mit all seinem Elend, dargestellt durch die blutige Dornenkrone der Passion. Und in der Mitte verbindet und versöhnt das Kreuz des Erlösers den Gegensatz zwischen Himmel und Erde.
In der Kapelle, vor dem Bau der Kirche in Unterstammheim Pfarrkirche des Tales, wird heute im Sommer wieder allmonatlich einmal Gottesdienst gehalten. Ungezählte Brautpaare liessen sich hier oben schon trauen, und in jüngster Zeit dient die Galluskapelle der Lesegesellschaft auch als stimmungsvoller Rahmen für Konzerte.

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